Klaus Mewes
Conscriptor

SALIGIA

Im Haus der Bruderschaft
Saligia - Ein Roman von Klaus Mewes

SALIGIA ist ein etwas anderer Arztroman:

Kurzentschlossen nimmt Max Stein das Angebot an, die Krebsbehandlung in der Stadt weiter auszubauen. Stella und er wollen ihren Kindern dort eine neue Heimat geben und gehen mit großem Elan daran, ihre Zukunft zu gestalten. Doch was sich anfangs wie ein Märchen liest, wird immer mehr zum existenzgefährdenden Albtraum, der schließlich in einen gnadenlosen Kampf mit mächtigen Gegnern führt. Schnell wird klar, dass es dabei nur einen Sieger geben kann.

Experten gehen davon aus, dass rund eine Million Erwerbstätige in Deutschland Opfer von Mobbing sind. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf rund 25 Milliarden Euro geschätzt. Neunzig Prozent der Opfer leiden unter psychischen und physischen Problemen – viele von ihnen ein Leben lang. Rechtlich ist das Problem schwer zu fassen und in der öffentlichkeit ist es kaum präsent, wodurch das Leid und die Sprachlosigkeit der Opfer noch vergrößert werden.

Dieses Buch verleiht ihnen eine Stimme.

Terra
- Zeit der Erde

[ . . . ] Der schwere Wagen schob sich mühelos den Berg hinauf. Als er den Scheitelpunkt erreicht hatte, bot sich seinen Insassen ein atemberaubendes Bild – unter ihnen lag ein lang gestrecktes Tal. Ein Tal, gesäumt und beschützt von einem natürlichen Wall majestätischer Berge.

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Silbrig glänzte ein Fluss, der in sanften Bögen durch das Tal mäanderte, die Ufer gesäumt von saftigen Weiden, malerischen Weilern und einem kleinen Städtchen, dessen Dächer im Licht der Nachmittagssonne blitzten. Lieblich. Einladend.
Nach der langen Fahrt durch eintönige Kieferwälder kam der Anblick einer Verheißung gleich – eine neue Welt tat sich ihnen auf.
Stella und Max legten die letzten Kilometer äußerst beschwingt zurück. Wie lange hatten sie darauf gewartet, endlich wieder in diese Gegend ziehen zu können! Die letzten Jahre hatten sie im Westen der Republik verbracht, hatten passable, ja gute Jahre verbracht, hatten ihrer Tochter Emma noch einen kleinen Bruder geschenkt, den sie Oskar nannten, und waren miteinander glücklich gewesen.
Es hätte perfekt sein können, wenn da nicht immer diese Sehnsucht nach den Bergen gewesen wäre.
Verschiedentlich hatte sich Max darum bemüht, einen Job dort in der Gegend zu finden, hatte jedoch schließlich einsehen müssen, dass diese rar gesät sind, wenn man Arzt für Krebsheilkunde ist. So hatten sie sich schließlich bereits an den Gedanken gewöhnt, im Westen zu bleiben, als Max eines Tages der Anruf eines flüchtig bekannten ehemaligen Kollegen erreichte. Er hätte vielleicht eine Stelle für ihn, er könne sich das ja mal anschauen. Einige Telefonate und ein Treffen später waren nun also Max und Stella unterwegs in die Stadt, die bald ihre neue Heimat werden sollte. Sie waren unterwegs zu Hans, den auch Stella gerne kennenlernen wollte.
Wenig später bogen sie auf den staubigen Parkplatz der Firma ein und stiegen aus.
Es war ein heißer und sonniger Tag, und so waren die beiden bestens gelaunt. Die Sekretärin bedeutete ihnen, sich kurz zu setzen und zu warten. Dr. Fetscher komme sofort.
Nach ein paar Minuten trat er aus seinem Büro: Er war durchtrainiert, mittleren Alters wie Max und hatte eine blonde Tolle, die verriet, dass sich deren Besitzer morgens viel Zeit nahm, um sie zu stylen. Außerdem hatte er einen sportlichen Teint, männliche Gesichtszüge und eine scharf geschwungene Nase. Sein Mund war eigentlich etwas zu klein, aber Max war sich sicher, dass es viele Frauen geben dürfte, die Hans mit dem Attribut "interessant" beschreiben würden. Und die Art, wie er Stella ansah, verriet, dass sich Hans dessen bewusst war.
Der schmale Oberlippenbart befremdete zunächst etwas, rundete das Bild bei näherem Hinschauen jedoch markant ab.
Er trug einen weißen Arztkittel mit einem kleinen Schild auf der linken Brustseite. CA Dr. Fetscher stand darauf. CA – Chefarzt, das war durchaus beeindruckend.
Während Max kurz darüber nachdachte, dass solche Schilder wohl die Orden der Moderne seien und dass dieses hier wohl dem "Pour le Mérite" entspräche, fiel sein Blick auf Hans’ Schuhe. Diese standen in merkwürdigem Kontrast zu der Würde des Kittels; eine seltsame Mischung aus grünem Turnschuh und schwarzem Herrenschuh, die vielleicht einen gewissen Nonkonformismus zum Ausdruck bringen sollte.
"Soso, ein Mann mit Schuhtick", dachte Max.
Hans begrüßte die beiden äußerst jovial und bat sie zu sich in sein Büro.
Darin duftete es stark nach dem schweren Eau de Toilette, das Hans wie eine unsichtbare Wolke hinter sich herzog.
Er schien aufgeregt zu sein, denn er redete viel und schnell. Besonders auffällig erschien den beiden die ständige und zum größten Teil völlig deplatzierte Benutzung des Wortes "sozusagen"; es kam in fast jedem Satz gleich mehrmals vor und wurde zu allem überfluss zumeist so schnell genuschelt, dass es wie "sozagen" klang. Max begann, sich vor Stella ein wenig fremdzuschämen, während Hans sie unverdrossen mit einem Wortschwall sondergleichen übergoss. "Sozagen".
Hatte Hans einen Tick? Oder war er nur aufgeregt?
Hans begann, die Firma in den höchsten Tönen zu loben, ohne dabei jedoch zu vergessen, sich über seine beiden Mitarbeiter auszulassen.
Wenn man Hans’ Worten glauben wollte, mussten Dr. Stenner und Herr (ohne Dr.) Hiebl die letzten Heuler sein, Gestrandete, Verdammte, deren klägliche Existenzen hier nun ein Gnadenbrot gefunden hatten, weil er leider keine anderen Mitarbeiter gefunden habe. Wie zum Beweis der unbedingten Richtigkeit seiner Ausführungen hielt er Stella und Max schließlich eine Kopie unter die Nase – das polizeiliche Führungszeugnis von Stenner.
Dazu erklärte er feixend "Der hat einen Eintrag. Wegen Stalking seiner Ex. Hat er mir aber verschwiegen, als ich ihn einstellte, hat damals einfach gesagt, das Führungszeugnis reiche er nach. Aber was soll’s – jetzt habe ich zumindest ein Druckmittel, wenn ich mal eines brauchen sollte.
Und der Hiebl? Na ja, wirst schon sehen. Aber lass mal, dadurch verbessern sich deine Chancen, hier einen Bomben-Vertrag zu bekommen. Wir ertrinken hier in Arbeit und ich bin faktisch alleine, kriege niemanden. Also, Stella, wenn dein Max hier mitmacht ..."
Er blickte die beiden verschwörerisch an "Ich habe dem Bollmann schon einen vom Pferd erzählt, den hab ich schon da, wo ich ihn haben will! Ach ja, zum Verständnis: Der Bollmann ist hier in der Firma der Geschäftsführer. Wir haben einen eigenen Geschäftsführer, weil wir als hundertprozentige Tochter des Städtischen Krankenhauses relativ selbstständig arbeiten können. Bollmann ist so ein richtiger Typ von hier – der mag es gar nicht, wenn man ihm widerspricht und kehrt immer den großen Macker raus – Grögaz, größter Geschäftsführer aller Zeiten, hähähä! In Wirklichkeit hat der nichts drauf und traut sich gar nicht, Entscheidungen zu treffen. Wenn man ihm was erzählt, dann nickt er wichtig und rennt danach immer gleich zum Appl. Das ist der Geschäftsführer der Klinik, zu der die Firma gehört. Der muss ihm dann sagen, was er tun soll. Na ja, der hat halt einen Hauptschulabschluss und hat sich hochgewartet. Und jetzt isser da und kann es eigentlich gar nicht. Aber das ist gut für uns, sehr gut sogar und ich sage euch, es ist ein Glücksfall, dass der Bollmann da ist, wo er ist. Dem muss man nur das Gefühl geben, dass das, was man ihm sagt, seine eigenen Ideen waren und schon läuft der Laden. Sozagen."
"Sozagen" schien draußen immer noch die Sonne und es war immer noch heiß. Und das Eis auf dem Marktplatz schmeckte herrlich. Und so sahen Max und Stella in dieser kleinen Episode nicht das Wetterleuchten dessen, was viel später kommen sollte.
Warum auch?
"Sozagen". [ . . . ]

Aqua
– Zeit des Wassers

[ . . . ] Gestern sind wir aus dem Urlaub zurückgekommen. Zehn Tage Dauerregen. Flucht hätte keinen Sinn gehabt – es regnete einfach überall. Noch am gleichen Tag war ich mit den Kindern nachmittags am Fluss. Das Wasser war wild, doch der Pegel nicht so hoch, wie ich erwartet hatte.

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Heute dann erste Meldungen im Radio: Dauerregen, Hochwasser, Gefahr, Gefahr. Später Katastrophenalarm. Was tun? 70 % unserer und 95 % meiner Habe lagern im Keller. Bei drei Kindern brauchst du jeden Platz und ein Hochwasser – hier?! Bei den umfangreichen Deichsanierungsmaßnahmen seit der letzten (kleinen) überschwemmung?
In meinem Büro befindet sich alles, was mir lieb und teuer ist. Soll ich auf Verdacht 4.000 Bücher, Waffenschrank, Plattensammlung, PC etc. ins obere Stockwerk schleppen? Wo soll ich anfangen?! Das geht nicht, das ist zu viel. Radio hören, immer wieder ins Internet. Die Nachrichten sind spärlich und verdichten sich am Nachmittag zu – ja, zu was? Es wird knapp. Ruhe bewahren, positiv denken – das letzte Hochwasser war vor über 30 Jahren und das war nicht sehr eindrucksvoll. Seitdem: Deichbaumaßnahmen, Renaturierung. Das muss doch etwas gebracht haben. Auch die Nachbarn sind unschlüssig. Wird schon nichts passieren. Es wird geraten, Sandsäcke zu holen. Da ich mir später nichts vorwerfen möchte, fahre ich mit den Kindern nachmittags zur Feuerwehr. Warte zwei Stunden, dann die Mitteilung: Die Sandsäcke sind aus. Es regnet und regnet. Schließlich bin ich dran. Maximal zwanzig Stück – totaler Quatsch! Diese Menge reicht nicht mal für die Tür!
Rückfahrt. Auf der Brücke eine Sperre. Ein Polizist bedeutet mir, dass ich nicht mehr in unseren Stadtteil fahren darf. Ich erkläre ihm die Situation und er lässt mich durch. Nächste Brücke, nächste Sperre. Ein sächsischer Polizist will mich an der Weiterfahrt hindern. Ich schreie ihn an, dass ich Frau und Kind dort unten habe. Die Kinder weinen, Oskar schaut mich mit seinen großen Augen fassungslos an. Verdammt. Er lässt mich schließlich durch – ich wäre sowieso gefahren.
Sandsäcke raus. Zwanzig Stück, ein Witz. Okay, nachdenken. Lautsprecherwagen fahren durch die Straßen. Alle Autos weg von den Straßen und raus aus den Tiefgaragen. Sonst keine Warnung. So schlimm wird’s ja dann wohl doch nicht werden. Trügerische Sicherheit. Was tun? Wenn das Wasser kommt, fällt sicher der Strom aus. Taschenlampen bereitlegen, elektrisches Tor aufmachen, Sachen packen, Fluchtplan. Wohin im Falle eines Falles? Nicht zu weit und nicht zu nah. Zu Claudia und Frank!
Ich gehe raus, um die Lage zu checken. Es wird dunkel, jemand sagt, dass das Wasser kommt. Der Fluss ist verdammt hoch, aber noch weit von der Deichkrone entfernt. Müsste doch halten! Flussaufwärts ist der erste Stadtteil gefallen! Stimmt das? Hinten auf dem Feld ein kleiner See. Vom Regen, oder ist das …?
Ich trage doch mal lieber ein paar Sachen aus dem Keller nach oben. Das Radio dudelt vor sich hin. Keine aktuellen Meldungen. Der Lautsprecherwagen ist weg. Draußen verdunkeln schwere Regenwolken den Abend.
Halb zehn. Plötzlich ist alles dunkel. Der Strom ist abgedreht. Sie haben uns aufgegeben. Ohne Vorwarnung wurde einem ganzen Stadtteil der Strom abgedreht! Taschenlampen an!
Jetzt erst wissen wir, dass es ernst wird. Stella geht raus. Das Wasser kommt! Ungläubig stehe ich da: Die Straße ist überflutet, das Wasser drängt bereits durch die Einfahrt in den Garten. Die Sandsäcke! Keine Chance, sie sind sofort überflutet. Im Garten ist ein See, der minütlich immer weiter anschwillt. Wir müssen gehen, wir müssen hier raus! Die Kinder weinen, werden in die Sitze geschnallt. Die Kaninchen schnell in den Kofferraum. Gott sei Dank ist das Tor auf! Stella fährt zuerst, das Wasser ist auf Auspuffhöhe, hoffentlich schafft sie es. Sie bleibt stecken, kommt aber schließlich aus der Einfahrt raus. Ich fahre hinterher. Wir hasten durch den dunklen Stadtteil, überall Wasser, niemand ist zu sehen. Wir schaffen es bis zu Claudia und Frank. Unglaublich, wie erschöpft wir sind. Die Kinder wollen nicht schlafen. Ich denke an das Haus und an alles, was im Keller lagert. Ich kann das so nicht akzeptieren! Ich muss wenigstens versuchen, etwas zu retten. Ich ziehe die Gummistiefel an. Nein, sie lässt mich nicht gehen! Doch, ich muss, sage ihr "sorge dich nicht, ich komme bald zurück".
Ich gehe los. Keine Menschenseele auf den stockdunklen Straßen. Ein paar Feuerwehrwagen stehen stumm am Rand des Wassers. Blaulicht flackert an den schwarzen Häuserwänden entlang. Danach nur noch das Rauschen des Flusses, der jetzt durch unsere Straßen, unsere Gärten und unsere Häuser fließt. Bei der Kirche ist das Wasser kniehoch, strömt in meine Stiefel – ich merke es kaum. Die Strömung reißt mich ein paar Mal fast um. Dann unser Garten, durch den nun ein Fluss fließt.
Das schlammige Wasser steht schon hoch an der Tür, ist bereits im Erdgeschoss und tastet sich voran in unser Heim.
Ich renne in den Keller. überall tropft es. Im großen Lichtschacht steht das Wasser. In mein Zimmer! Ruhig Blut! Denk nach, was ist wichtig?! Die Dokumentenordner! Es ist keine Kiste vorhanden! Ich klemme mir ein paar unter die Arme, spurte die Treppen hoch, werfe sie auf die Betten im Obergeschoss und renne wieder herunter. Plötzlich ein ohrenbetäubender Krach: Im Lichtschacht birst der Fensterrahmen – das Wasser ergießt sich nun in einem Schwall in den Keller. Minütlich kriecht das Wasser höher. Ich erhöhe das Tempo. Was ist wichtig? Dokumente, Persönliches, Fotoalben, die externen Festplatten. Ich renne und werfe aufs Bett, werfe es irgendwohin, nur weg vom Wasser. Runter, hoch, runter, hoch. Immer wieder. Gegenstände treiben im Wasser, es ist nun mehr als kniehoch. Ich sehe, wie der Computer untergeht. Scheißegal! Was ist wichtig? Der Tresor! Er geht noch auf. Dokumente bergen! Die Jagdwaffen! Kann ich nicht mitnehmen. Tresor offen lassen? Zu gefährlich wegen der Einbruchgefahr! Also Tresor wieder zu. Da, meine Holzkiste mit den persönlichsten Dingen! Normalerweise ist sie sogar für zwei Männer zu schwer. Sie schwimmt, ich ziehe sie zur Treppe. Blanker Hans, die bekommst du nicht! Mit aller Gewalt zerre ich sie von Stufe zu Stufe ins Erdgeschoss.
Wieder runter. Jetzt die Bücher. Welche sind wichtig? Ich haste an den Reihen vorbei, dies, das und das auch noch, berge, haste, haste, berge. Das Wasser, das Wasser! Es steigt immer höher. Ich denke an die Titanic, an die Gustloff, denke an einen Kapitän, der mit ansehen muss, wie sein geliebtes Schiff sinkt.
Die Stahltüren! Das Wasser ist nun so hoch, dass es gefährlich wird. Fällt eine Tür zu, dann wird es eng. Ich muss hier raus. Ein Buch noch, nur noch eines. Welches? "Der Waldgang" von Ernst Jünger! Wie passend!
Dann wird mir klar, dass ich jetzt gehen muss. Ich halte inne, blicke mich um. Die ersten Bücher treiben wie kleine Leichen im brackigen Wasser. Es gluckst und braust, als nähme es seine Braut in Besitz – meine Bücher.
Einige Momente stehe ich ruhig da und blicke mich um. Abschied. Ihr sterbt jetzt den Seemannstod. Ich lege langsam die Hand an die Stirn und salutiere. Kapitän von Bord.
Dann drehe ich mich um und gehe hoch. Im Wohnzimmer ist jetzt ein See, ich sehe ihn kaum. Ich schließe die Tür ab und gehe auf die Straße, wo ich bis zur Hüfte im Wasser stehe. Es ist kalt, doch ich spüre es nicht. Ein Boot kommt mir entgegen, man will mich bergen. Doch ich gehe einfach weiter. Meine Augen brennen, aber ich kann nicht weinen. Der Strom reißt mich fast mit, es ist mir egal. Trutz, blanke Hans!
Die Feuerwehrwagen stehen dort noch immer im Trockenen. Die Männer schauen mich ungläubig an. Ich gehe weiter, versuche, trotzig zu blicken. In Wahrheit ist mir hundeelend zumute. Wenn das doch bloß ein Albtraum wäre! Aufwachen, Sonnenschein!
Stella fällt mir um den Hals, weint. Jetzt sind wir obdachlos.
Wir liegen im Bett, keiner kann schlafen, keiner spricht. Wir liegen im Bett und halten uns ganz fest. Draußen sind die ganze Nacht Hubschrauber und Sirenen zu hören.
Um vier Uhr will man uns evakuieren. Wir bleiben. Das Wasser erreicht uns nicht.
Der nächste Morgen findet uns müde und verstört vor. Wie geht es nur weiter? [ . . . ]

Ignis
– Zeit des Feuers

[ . . . ] Es ist Anfang Mai. Ein wunderbarer Frühlingstag, es ist warm und ein Hauch von Sommer liegt in der Luft. Heute Abend würde er mit Stella zum ersten Mal in diesem Jahr ein Glas Wein auf der Terrasse trinken, wenn das Wetter halten sollte.

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Er hatte den PC schon heruntergefahren und war voller Vorfreude auf den schönen Abend. Da klopft es leise an der Tür. Stein erstarrt – Hans tritt ein.
Er hat einen merkwürdig wächsernen Gesichtsausdruck. "Na, Max, wie geht’s, wie war dein Tag?", er gibt sich Mühe, freundlich zu klingen, aber Stein läuft es kalt den Rücken herunter.
"Gut, danke der Nachfrage. Gibt’s noch was, ich wollte gerade nach Hause fahren?"
"War heute irgendwas Besonderes?"
Stein überlegt. Nein, es hatte nichts Besonderes gegeben außer der Sache mit dem Brief. Aber die war ja schon geklärt. Trotzdem beschließt er, einer dunklen Ahnung nachgebend, das zu erwähnen. "Nö, eigentlich nicht. Außer, dass ich heute kurz mit Pößlinger sprach, weil ich gestern einen Brief vom ZA bekommen habe. Ist aber nichts Wichtiges gewesen, hat Pößlinger schon erledigt."
Was jetzt geschieht, hätte Stein selbst nach all den vergangenen Monaten nicht für möglich gehalten. Er sieht, wie sich das Gesicht von Hans zu einer unkenntlichen Fratze verzerrt – wenn es in seinem Leben jemals einen Moment gegeben hatte, in dem er Wut und Hass mit allen seinen Sinnen wahrnehmen konnte – jetzt ist er da. Hans steht vor ihm, er steht einfach nur da und starrt ihn mit einem derartig wilden Hass in den Augen an, dass er dem Blick nicht standhalten kann, so sehr er sich auch darum bemüht. Er spürt in diesem Moment, dass Hans im nächsten Moment die Kontrolle über sich verlieren wird. Sein Gehirn sucht verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit vor dem, was gleich unvermeidbar über ihn hereinbrechen wird, es sucht mit aller Macht einen Ausweg. Und doch bewegt er sich nicht. Er sitzt da, ist wie gelähmt und muss wie gebannt in dieses teuflisch verzerrte Gesicht blicken, er kann den Blick nicht abwenden, er ist gefangen wie ein Falter im Netz einer Spinne, die unaufhörlich auf ihn zukriecht, sich ihm Millimeter für Millimeter nähert, bis ihm der Todeskuss die Sinne raubt.
Hans atmet schwer, ja er keucht, seine Hände zittern wie Espenlaub, sein Gesicht verfärbt sich blutrot.
Dann erfolgt die Explosion.
Er beugt sich zu Stein über den Tisch und brüllt ihn in einer Lautstärke an, die Stein vollständig paralysiert – noch niemals hat er einen Menschen so brüllen hören, ja, er hätte es nicht für möglich gehalten, dass jemand überhaupt derart brüllen kann.
"Du bist ein Nichts! Du hast hier nichts zu melden! Ich kann dich von heute auf morgen austauschen, wenn es mir gefällt. Einen Scheiß hast du hier zu melden! Du hast hier niemanden anzurufen, du Nichts! Was hier passiert, geht dich einen Scheißdreck an!"
Stein ist kreidebleich, sämtliche Mitarbeiter der Firma und alle Patienten, die sich dort noch aufhalten, müssen jedes Wort verstehen. Er versucht, Hans zu beruhigen "Hans, mäßige deinen Tonfall, mäßige dich!", beschwört er ihn. Aber er dringt überhaupt nicht zu ihm durch. Im Gegenteil, Hans brüllt sich immer mehr in Rage: "Du hast doch noch nie was auf die Reihe gekriegt, du bist überall gescheitert und jetzt surfst du auf meiner Welle! Meine Welle, du Trittbrettfahrer, du Nichts! Wenn ich will, dann zahlst du mit einem Federstrich von mir dreihunderttausend Euro zurück, du Null! Wenn du gehen willst, dann geh doch, hau doch ab, für dich finde ich dutzendweise Ersatz! Du vertraust mir nicht und das, du Niete, zahl ich dir jetzt heim! Ich mach dich fertig, bis du tot bist!"
Stein ist mittlerweile ebenfalls maximal aufgewühlt – niemand hat es jemals gewagt, so mit ihm zu reden. Dennoch versucht er mit aller Kraft, sachlich zu bleiben: "Mäßige dich, Hans! Du weißt genau, dass das nicht stimmt. Du weißt doch genau, wie es wirklich war und ist! Und es stimmt einfach nicht, dass ich irgendwo gescheitert bin …"
"Lüg mich nicht an!", unterbricht der andere ihn in Orkanstärke brüllend. "Lüg mich nicht an, du Null! Du hast noch nie was auf die Reihe gekriegt! Du bist so eine komplette Niete, so ein Versager … Du hast mir alles zu verdanken – umgekehrt habe ich dir nichts zu verdanken …!"
Und er brüllt und brüllt und überhäuft Stein mit allen nur denkbaren Beleidigungen, während der irgendwann nur noch stumm dasitzt und es über sich ergehen lässt.
Später wird ihn Stella fragen, warum er nicht einfach gegangen ist.
Er weiß es nicht. Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, es ist, als befinde er sich gar nicht in dem Körper dieses Menschen, der da hinter seinem Schreibtisch sitzt und angeschrien und zutiefst gedemütigt wird; es ist, als beobachte er sich selbst. Sich selbst und den, der da brüllend und geifernd und voller Hass die Kontrolle verliert. Er beobachtet die Szenerie wie ein Unbeteiligter, wie ein Verhaltensforscher, der mit wissenschaftlichem Interesse Aktion und Reaktion seiner Probanden studiert.
Und dabei spürt er jedoch, dass Hans nun eine weitere Linie überschritten hat. Eine Linie, die er niemals hätte übertreten dürfen.
Schließlich, es mögen dreißig Minuten gewesen sein, die Stein wie eine Ewigkeit vorkommen, ebbt der Wutausbruch von Hans ab, er beginnt, wieder Monologe zu halten, fühlt sich missverstanden und von allen verfolgt.
Dann fällt er auf einen Stuhl, sackt zusammen und – heult.
Stein traut seinen Augen nicht: Hans sitzt vor ihm und weint wie ein kleines Kind. Zwischen tränenersticktem Schluchzen folgen wieder Monologe über alle anderen, die gegen ihn sind – er tut sich selbst unendlich leid.
Stein sitzt fassungslos da und starrt ihn an. Er kommt langsam wieder zu sich, sieht den anderen zusammengesackt und weinend auf der anderen Seite des Tisches. Er spürt, wie sich der wilde Hass des anderen in dessen unendlicher innerer Leere verliert. Er spürt die Verzweiflung des anderen über diese Leere und empfindet – Mitleid.
Ist das möglich? Kann er Mitleid empfinden für diesen Menschen, dessen größtes Vergnügen es ist, ihn, Stein, zu erniedrigen?
Er redet mit Hans wie mit einem kleinen Kind, versucht, zu beruhigen und, ja tatsächlich, er ertappt sich dabei, wie ihm Hans leidtut.

Später, als die Tränen getrocknet sind und Stein wieder alleine ist, bemerkt er, wie seine Hand immer noch krampfhaft das Diktiergerät umschlossen hält. Sie schmerzt, als er sie öffnet.
Mechanisch packt er seine Sachen zusammen und verlässt sein Büro. Vor der Tür stehen Leute – Mitarbeiter? Patienten?, er weiß es nicht, nimmt nur die entsetzten Blicke wahr, mit denen sie ihn anschauen.
Er setzt sich auf sein Fahrrad und fährt den Fluss entlang. Es ist ein schöner, lauer Frühlingsabend, doch er nimmt es nicht wahr. Er fährt wie ein Besinnungsloser, will nach Hause rasen. Nach Hause, nur nach Hause. Schließlich wird er langsamer, hält an, setzt sich auf einen Baumstamm am Fluss und starrt auf das Wasser.
"So muss es sich anfühlen", denkt er, "wenn man vergewaltigt worden ist."

Als er, viel später, wieder auf sein Fahrrad steigt, weiß er, dass Hans ihm diesen Ausbruch nie verzeihen wird. [ . . . ]

Aer
– Zeit der Lüfte

[ . . . ] Die erste Amtshandlung Bollmanns nach Steins Rauswurf war die Reduzierung von Steins Vergütung auf das Niveau eines Assistenzarztes gewesen. Schließlich wäre der Rest ja eine Gewinnbeteiligung und er stellte sich auf den Standpunkt, dass es diese nun nicht mehr geben könne, nachdem der halsstarrige Arzt die Firma verlassen hatte.

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Hatte er ihm nicht prophezeit, dass er der Verlierer dieser Auseinandersetzung sein würde? Das, und Stein wusste, dass Bollmann bei diesem Gedanken grimmig lächeln würde, bekäme dieser Stein jetzt schneller zu spüren, als ihm lieb sein würde. Er würde Stein die paar Kröten noch ein paar Monate zahlen, in denen er freigestellt war und keine andere Arbeit aufnehmen durfte. Und dann wäre es irgendwann vorbei und der Kerl säße arbeitslos auf der Straße. Stein stellte sich vor, wie zufrieden und selbstgefällig Bollmann bei dem Gedanken daran wäre, dass Stein zu Hause saß, arbeits- und mittellos, und zutiefst bereute, was er getan hatte.
Dieser naive Tropf! Hatte sich mit ihm angelegt! Mit ihm und dem OB! So ein Idiot! Büßen würde er dafür! Büßen bis in alle Ewigkeit! Dieser verdammte Stein, der ihn, den Geschäftsführer der Firma, in diese Situation gebracht hatte!
Aber der hatte jetzt seine verdiente Strafe, den Absturz de luxe.
Und Hans? Den würde Bollmann nun an die Kandare nehmen, der würde seinen Verrat hundertfach bezahlen müssen! Stein war klar, wie wütend Bollmann bei dem Gedanken daran, wie er sich hatte manipulieren lassen, wie er von Hans hintergangen und verladen worden war, sein musste. Ausgerechnet von Hans, den er immer gefördert und dem er so vertraut hatte!
Dabei verdrängte er sicher geflissentlich, wie gerne er sich in der öffentlichkeit bisher mit den fremden Federn der jährlichen Gewinnsteigerungen der Firma geschmückt hatte. Denn schließlich war er der Geschäftsführer und daher war es selbstredend sein Verdienst, dass die Firma so gut dastand. "Ich bin ein guter Kaufmann", hatte er immer selbstgefällig geprahlt.
Insgeheim musste er jedoch wissen, dass Stein das Bauernopfer war, welches büßen musste, weil er an Hans nicht nur nicht rankam, sondern diesen auch noch schützen musste, damit er selbst nicht fiel. Und dieses Wissen musste seine Wut nochmals deutlich steigern.
Schließlich war er der Geschäftsführer!
Der Bürgermeister hatte ihn sicher mit einigen fragenden Blicken bedacht, als er ihm, um Rückendeckung zu bekommen, vor Angst schwitzend das Desaster geschildert hatte. Das konnte er gut, der Herr Bürgermeister: die Augenbrauen dezent hochziehen. Das genügte schon.
Gut, er hatte ihm aus gewissen Gründen vielleicht nicht absolut alles gebeichtet, aber das, was er hatte erzählen müssen, hatte schon ausgereicht, um die stumme Frage nach seiner Eignung als Geschäftsführer aufzuwerfen.
Seit diesem Gespräch mußte ihm klar gewesen sein, dass man ihn nur schützen würde, wenn er das Problem schnell und diskret aus dem Weg räumen würde. Und das konnte nach Lage der Dinge nur eins bedeuten: Man musste diesen Querulanten Stein so geräuschlos wie möglich loswerden.
Bollmann hatte Stein schlussendlich äußerst elegant und so geräuschlos wie befohlen vor die Tür gesetzt. Dieser arrogante Pinsel – was hatte der sich auch eingebildet?! Hier in seiner Firma hielt man die Schnauze und wenn es Probleme gab, dann wurden die ganz sicher nicht so ausgebreitet, wie Stein es getan hatte, sondern bestenfalls diskret "gelöst". Gut, dass der OB in der Stadt genauso dachte und auch ähnlich handelte, wenn es mal Probleme gab. Und gut, dass der diesen Stein wegen dieser Flutsache auch schon im Visier gehabt hatte.
Das war eben Politik: Schnauze halten, Deckel drauf! Wer dagegen verstieß, musste die Folgen ertragen.
Diesem elenden Fetscher, der das verdammte Problem mit seinen sadistischen Neigungen und seinem Hang, über die Bande zu spielen, erst ausgelöst hatte, würde Bollmann jedoch, dessen war Stein sich sicher, in Zukunft zeigen, wer hier das Sagen hatte und wo die Grenzen waren. Schließlich hatte der jetzt schon mal eine Abmahnung, die Bollmann bei Gelegenheit als Druckmittel einsetzen konnte, wenn der Kerl wieder einmal über die Stränge schlug.
Wie es dem Stein jetzt wohl gehen musste – quasi arbeitslos mit drei Kindern und einer Frau, die zu Hause war?

"Stella, ich glaube, dass wir endlich mal eine Adventszeit haben werden, in der wir vor allem eins haben werden: Zeit miteinander! Denn ab sofort bin ich freigestellt, das heißt vor allem: nie wieder Morgenbesprechung, nie wieder Hans! Das sollten wir feiern!"
Stella sah ihn fragend an, in ihren Blick mischte sich neben Erleichterung auch Wut: "Da haben sie’s endlich geschafft, oder?! Nach all den Quälereien und illegalen Aktivitäten, in die er dich verstrickt hat, nach alldem, was wir in den letzten Monaten unverschuldet durchgemacht haben – da haben sie das nun grandios gelöst, oder vielmehr: Sie haben das Opfer bestraft und damit den Täter belohnt!" Sie ballte die Fäuste und begann, vor Wut zu weinen. "Das ist so ungerecht!"
Stein machte ein hilfloses Gesicht, sein Zweckoptimismus bekam einen Riss: "Okay, du hast ja recht. Aber sieh doch auch, dass es nun endlich vorbei ist! Und: Wir haben uns nicht verbiegen lassen! Wir kommen schon wieder auf’s Pferd und am Ende des Tages zählt nicht, ob wir tausend Euro mehr oder weniger verdient haben. Am Ende des Tages zählt, dass wir stolz auf uns sein können, weil wir uns nicht haben brechen lassen. Im Gegenteil: Wir haben dem und diesem ganzen Dreckspack gezeigt, dass wir uns so etwas nicht gefallen lassen. Und es war ein guter Kampf! Dass es am Ende so ausgehen würde, wussten wir doch von Anfang an. Vielleicht gab es mal eine Phase, in der man hätte glauben können, dass die Gerechtigkeit siegen könnte. Aber es kam eben doch so, wie der alte Ewerding prophezeit hat. Das ist hier eben so, hier in Deckeldraufhausen. Aber wir, Stella, das schwöre ich dir: Wir werden nicht untergehen! Wir werden ab sofort daran arbeiten, dass es noch besser wird, als es je zuvor war. Das muss das Ziel sein und auch wenn es ein paar Jahre dauern sollte: Wir werden es am Ende schaffen!"

Er nahm sie in den Arm; es tat gut, sie zu spüren.

Es war schon erstaunlich: Während Hans und Bollmann sich erleichtert und hämisch vorstellen mochten, wie verzweifelt Steins Familie jetzt sein musste, war die nun angebrochene Vorweihnachtszeit eine der besinnlichsten und schönsten, die die Steins jemals miteinander verbracht hatten.
In dem Maße, in dem die Anspannung von ihnen abfiel, entdeckten sie von Neuem, dass es in ihrer Welt so viele schöne Dinge gab, die es wert waren, dass man sich an ihnen erfreute. Sie brachten die Kinder morgens zur Schule, um danach stundenlang gemeinsam durch verschneite Wälder zu laufen. Später schlenderten sie über den Weihnachtsmarkt oder machten in einem Café halt. Sie redeten über Gott und die Welt und spürten, wie nah ihnen beide wieder waren. Und sie machten Pläne für ihre Zukunft. Ganz allmählich spürten sie wieder, wie schön das Leben eigentlich war, seitdem es Hans nicht mehr gab.
Einmal lief ihnen dabei Franz Kniep über den Weg, der Stein feindselig anfunkelte. Stein dachte daran, dass Kniep die Sache mit dem Passwort damals an Hans verraten hatte und grinste verächtlich zurück. So einer wie Kniep würde niemals wissen, worum es im Leben wirklich ging.

Stein hatte schon seit Längerem beschlossen, nach Antworten zu suchen. Er wusste, dass ein Schlüssel zum Verständnis dessen, was im nun langsam zu Ende gehenden Jahr geschehen war, bei Wilhelm Hader lag, dem alten Chefarzt der Firma, den Hans offenbar ebenfalls weggemobbt hatte.
Bislang hatte Stein aus taktischen Gründen nicht mit Dritten über die Vorgänge in der Firma sprechen können. Jetzt, wo die Katze aus dem Sack war, beschloss er, Hader um ein Treffen zu bitten.
Auf einem der langen winterlichen Spaziergänge sprach er mit Stella darüber: "Ich habe beschlossen, dass ich mich vielleicht mal mit jemandem unterhalten sollte, der Hans schon lange kennt und der sicher auch viel zu erzählen hat." "Und? Ist dir da jemand eingefallen?" "Ja. Ich glaube, ich sollte mich mal mit Hader treffen." Stella blickte ihn erstaunt an: "Du meinst, den ehemaligen Chefarzt, den er beerbt und dann "in dem kleinen Kabuff eingesperrt" hat? Aber den hast du doch auch immer gemieden!" Er nickte: "Das stimmt, aber das war ein Fehler. Eigentlich hatte ich gar nichts gegen ihn, ich kannte ihn ja gar nicht. Aber Hans hat mir doch gleich zu Anfang erzählt, dass der immer so schlecht über mich reden würde. Das hab ich ihm geglaubt und hatte dann natürlich keine Lust mehr dazu, mich mit dem zu befassen. Darum war es eben ‚Guten Tag und Guten Weg‘. Bis er dann sang- und klanglos weg war, in seinem wohlverdienten Ruhestand. Den haben sie doch damals noch nicht mal würdig verabschiedet, weißt du noch?"
"Max, vielleicht ist das eine gute Idee."

Wilhelm Hader war gerne bereit, sich mit Stein auf einen Kaffee zu treffen. "Ich habe mir schon gedacht, dass Sie mich irgendwann mal anrufen werden", sagte er am Telefon zu Steins großem Erstaunen.
Wenig später saßen sie sich gegenüber und das verhutzelte Männlein schaute Stein aus klugen Augen prüfend an. "Tja äh, ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll", begann Stein das Gespräch.
"Ich glaube, ich weiß, warum Sie mich sprechen wollten", gab der andere zurück. "Es geht um Hans Fetscher, nicht wahr?" Stein nickte langsam. "Das habe ich mir gedacht." [ . . . ]

Klaus Mewes
conscriptor

lebt  an der Küste und manchmal auch jenseits von ihr
liebt  den Geruch von Teer und Tang, Cohiba Robustos und seine Familie
leidet  unter denen, die Meinen mit Wissen verwechseln
und
lacht  laut im Sturm